Vom Sperrgebiet zum Ort der Künste — Kurze Geschichte der Raketenstation

Roland Nachtigäller, 24. Februar 2026

1994 erwarb der Sammler und Stifter Karl-Heinrich Müller die aufge­ge­bene NATO-Rake­ten­sta­tion Hombroich, die nur wenige hundert Meter von seinem 1986 gegrün­deten Museum Insel Hombroich liegt. Als Gegenpol dazu dachte er die Trans­for­ma­tion dieses mili­tä­ri­schen Ortes zu einem Labor und Expe­ri­men­tier­feld für die Künste und inno­va­tive Archi­tek­turen.

Die Rake­ten­sta­tion Hombroich war 1966 auf 13 Hektar Land im Auftrag der ameri­ka­ni­schen Streit­kräfte errichtet worden. Ein Jahr später nahm dort ein belgi­sches Rake­ten­ge­schwader seinen Dienst auf. Im Rahmen des „Vertei­di­gungs­gür­tels vom Nordkap bis zur Türkei“ wurden hier drei mal drei Nike-Hercules-Raketen (MIM-14) statio­niert. Sie konnten mit insgesamt sechs hier ebenfalls gela­gerten Nukle­ar­spreng­köpfen bestückt werden. Diese Raketen mit einer Reich­weite von bis zu 150 Kilo­me­tern wurden wiederum von US-Ameri­ka­ni­schen Soldaten bewacht und gewartet.

Nach den bila­te­ralen Verträgen zur Abrüstung atomarer Mittel- und Kurz­stre­cken­ra­keten aus dem Jahr 1990 wurde das Gelände als mili­tä­ri­scher Standort aufge­geben und voll­ständig geräumt. Zurück blieb ein wüstes Stück Land ohne Baum und Strauch, struk­tu­riert allein durch Asphalt- und Beton­flä­chen sowie die Sicht­schutz bietenden Erdwälle.

An der von Karl-Heinrich Müller initi­ierten Neube­sied­lung (als erstes nahmen 1995 der Komponist Christoph Staude sowie die Künst­lerin Ute Langanky mit dem Lyriker Thomas Kling die Heraus­for­de­rung einer Wohnungs­nahme an) betei­ligten sich in den Folge­jahren die Künstler und Archi­tekten Raimund Abraham, Tadao Ando, Erwin Heerich, Dietmar Hofmann, Oliver Kruse, Katsuhito Nishikawa, Claudio Silvestrin und Álvaro Siza.

Heute dient die Rake­ten­sta­tion als Lebens- und Arbeitsort für Künstler:innen aller Diszi­plinen sowie für Ausstel­lungen, Konzerte und andere Veran­stal­tungen. Auch das Stif­tungs­büro hat seinen Standort hier gefunden. Mit dem Museum Insel Hombroich ist sie durch einen Fußweg über das Kirkeby-Feld und durch die weiten land­wirt­schaft­li­chen Flächen verbunden.