1994 erwarb der Sammler und Stifter Karl-Heinrich Müller die aufgegebene NATO-Raketenstation Hombroich, die nur wenige hundert Meter von seinem 1986 gegründeten Museum Insel Hombroich liegt. Als Gegenpol dazu dachte er die Transformation dieses militärischen Ortes zu einem Labor und Experimentierfeld für die Künste und innovative Architekturen.
Die Raketenstation Hombroich war 1966 auf 13 Hektar Land im Auftrag der amerikanischen Streitkräfte errichtet worden. Ein Jahr später nahm dort ein belgisches Raketengeschwader seinen Dienst auf. Im Rahmen des „Verteidigungsgürtels vom Nordkap bis zur Türkei“ wurden hier drei mal drei Nike-Hercules-Raketen (MIM-14) stationiert. Sie konnten mit insgesamt sechs hier ebenfalls gelagerten Nuklearsprengköpfen bestückt werden. Diese Raketen mit einer Reichweite von bis zu 150 Kilometern wurden wiederum von US-Amerikanischen Soldaten bewacht und gewartet.
Nach den bilateralen Verträgen zur Abrüstung atomarer Mittel- und Kurzstreckenraketen aus dem Jahr 1990 wurde das Gelände als militärischer Standort aufgegeben und vollständig geräumt. Zurück blieb ein wüstes Stück Land ohne Baum und Strauch, strukturiert allein durch Asphalt- und Betonflächen sowie die Sichtschutz bietenden Erdwälle.
An der von Karl-Heinrich Müller initiierten Neubesiedlung (als erstes nahmen 1995 der Komponist Christoph Staude sowie die Künstlerin Ute Langanky mit dem Lyriker Thomas Kling die Herausforderung einer Wohnungsnahme an) beteiligten sich in den Folgejahren die Künstler und Architekten Raimund Abraham, Tadao Ando, Erwin Heerich, Dietmar Hofmann, Oliver Kruse, Katsuhito Nishikawa, Claudio Silvestrin und Álvaro Siza.
Heute dient die Raketenstation als Lebens- und Arbeitsort für Künstler:innen aller Disziplinen sowie für Ausstellungen, Konzerte und andere Veranstaltungen. Auch das Stiftungsbüro hat seinen Standort hier gefunden. Mit dem Museum Insel Hombroich ist sie durch einen Fußweg über das Kirkeby-Feld und durch die weiten landwirtschaftlichen Flächen verbunden.