„Das Wilde förderte das Erfassen der Spiritualität der Erftaue. Ich bemühte mich, diesen spontanen, zufälligen, chaotischen Ansatz der Natur mit dem Freilegen der alten Konzeption zu vereinen.“
Bernhard Korte
Für die Präsentation seiner Kunstsammlung wünschte sich Karl-Heinrich Müller einen Garten so schön wie den von Claude Monet in Giverny. Auf der Suche nach einem entsprechenden Gelände stieß er Anfang der 1980er-Jahre auf einen historischen, von den Ausläufern der Erft umflossenen Park vor den Toren von Neuss, der zu dem ehemaligen Landsitz der Wuppertaler Industriellenfamilie de Weerth aus dem Jahre 1816 gehörte (das heutige Rosa Haus). Das Areal mit seltenem Baumbestand – darunter mehrere Blutbuchen, eine Gerichtseiche und eine 35 Meter hohe Sumpfzypresse mit einem Stammumfang von fünf Metern – war im Stil englischer Landschaftsgärten von Maximilian Weyhe angelegt worden, nun aber verwildert und überwachsen. Nach der Grabung eines Erftumlaufes um 1900 war der Park von Wasser umflossen und wurde so zur „Insel Hombroich”.
Karl-Heinrich Müller war begeistert von dem Gelände und beauftragte den Landschaftsarchitekten Bernhard Korte, den Park neu zu gestalten. Dieser empfand die urwüchsige Ausgangslage als überaus reizvoll und restaurierte das Areal nach idealtypischen Vorstellungen: „Das Wilde förderte das Erfassen der Spiritualität der Erftaue. Ich bemühte mich, diesen spontanen, zufälligen, chaotischen Ansatz der Natur mit dem Freilegen der alten Konzeption zu vereinen.“ Er stellte die ursprünglichen Strukturen wieder her, erschloss prähistorische Pflanzenbestände, kombinierte sie mit den vorhandenen exotischen Gehölzen und ergänzte sie um weitere Anpflanzungen.
Landschaftskonzept
1984 erwarb Karl-Heinrich Müller zusätzliche 14 Hektar Land, die an den alten Park angrenzten – intensiv genutzte Ackerflächen und mit Gülle gedüngte Zuckerrübenfelder. Korte recherchierte, dass hier um 10.000 v. Chr. ein verschütteter, 500 Meter langer Erftumlauf sowie eine offenbar vielfältige Pflanzenwelt existierten. Er reaktivierte diesen sowie weitere ursprünglich vorhandene Wasserläufe, bildete aus ihnen kleine Seen und bepflanzte ihre Ufer mit einer für den Niederrhein typischen Auenvegetation.
1992 kaufte der Museumsgründer weitere fünf Hektar Land hinzu – Felder auf einer Schotterterrasse oberhalb der Aue. Wie schon bei der landschaftlichen Konzeption unten in der Aue recherchierte Korte auch hier zunächst die Strukturen und die Geschichte des Ortes. Ein unmittelbar angrenzender Bauernhof, der schon im 15. Jahrhundert genannt wurde, wies auf die jahrhundertealte ackerbauliche Nutzung des Geländes hin. Auch eine im Jahre 1807 von Jean Joseph Tranchot erstellte Karte der Gegend dokumentierte die Existenz von Äckern und Obstwiesen auf der Terrasse sowie Weiden in der Talaue. Diese bukolische Landschaft diente Korte als Vorbild für die Konzeption des gesamten Areals jenseits des alten Parks.
Auf der Terrasse pflanzte er Walnussbäume und legte eine Maronen- und eine Lindenallee sowie einen wilden Bauerngarten mit Khaki, seltenen Zierapfelsorten, Feigen, Kiwi und wildem Wein an. „Ich wollte eine Landschaft von großer Klarheit, großer Rationalität und einem begründeten Nebeneinander von Wiesen, Wasserläufen und Wasserflächen, mit einer begründeten Verteilung der aus Belgien eingeführten Kopfweidenbaumskulpturen. Da war nicht die große Achse, sondern eine Lebensgemeinschaft unter der Himmelskuppel, die Ganzheitlichkeit einer Landschaft, die sich formal nach Gewichtigkeit der aufrechtstehenden Volumina wie Architekturen, Hecken, Bäume und Horizonte in Beziehung zu den Wiesen, Wegen, Wasserflächen herleitete“, fasste er seinen Ansatz zusammen.
Naturbelassenheit und Pflege
Als der Landschaftsarchitekt Burkhard Damm im Jahr 2001 den Posten als leitender Landschaftsplaner in Hombroich übernahm, blieb er Kortes Grundgedanken treu. Auch sein Pflegekonzept setzte darauf, so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen. „In Hombroich bedeutet Gärtnern willentliches Unterlassen, um im richtigen Moment das Richtige zu tun“, so sein Credo. Und: „Die Landschaft in Hombroich soll immer selbstverständlich erscheinen.“
Er ergänzte die Pflanzungen im alten Park mit Besonderheiten wie dem Eisenholzbaum an der Erftspitze, verschiedenen seltenen Farnen und Magnolien, mehreren Ahornbäumen, Pimpernuss, dem Japanischen Papierstrauch und Mahonien. „Die Klammer für meine gärtnerische Arbeit ist die Haltung, dass wir hier einen Lebensraum für Pflanze, Tier und Mensch gestalten, in der alle den ihnen gebührenden Raum bekommen.“
An dieser Herangehensweise hat sich bis heute nichts Wesentliches verändert: Der Natur wird weiterhin ihren Lauf gelassen, Eingriffe erfolgen nur behutsam und wo sie wirklich nötig sind. So wie beispielsweise beim regelmäßigen Beschnitt der Kopfweiden, ohne den sie auseinanderbrechen würden. Und auch die Exoten wie Sumpfzypresse, Zerreiche, Tulpen- und Trompetenbaum, Lebensbaum oder Zeder würden ohne Gegenmaßnahmen von heimischen Arten wie Ahornbaum, Holunder, Segge und Brennnessel verdrängt werden. Es wird also vor allem eingegriffen, um Konkurrenz auszugleichen. Andersherum: Wenn im alten Park dicke Äste verrotten und Bäume in Teiche hineinragen, so hat das seinen Sinn. Wandel – das Sterbenlassen und auch Übergangsstadien wie Samenstände oder gefallenes Laub – ist ein wichtiger Bestandteil der gärtnerischen Philosophie in Hombroich.