Vielleicht ist die Insel nur zu erleben, nicht zu beschreiben.
Karl-Heinrich Müller
Karl-Heinrich Müller
Bereits als junger Mann entdeckte der 1936 in Düsseldorf geborene Sohn eines Schuhmachermeisters seine Begeisterung für die Kunst, eröffnete aber 1958 zur Lebenssicherung ein Makler-Büro. Das entwickelte sich bald zur ersten Adresse in Deutschland für Industrie-Immobilien mit rund 450 Mitarbeitenden und Büros in ganz Deutschland und Europa.
Ab 1968 begann Karl-Heinrich Müller dann gezielt mit dem Sammeln der Kunst des 20. Jahrhunderts, bei dem er sich auf einzelne Künstlerpersönlichkeiten wie Kurt Schwitters, Hans Arp, Jean Fautrier und Yves Klein fokussierte. Schon zwei Jahre später reifte in ihm der Gedanke, der Gesellschaft mit einem Museum etwas zurückzugeben. Doch erst 1982 gelang es ihm, mit dem Erwerb der sogenannten Erftinsel vor den Toren von Neuss einen geeigneten Ort zu finden. Hier entwickelte Müller gemeinsam mit den Künstlern Gotthard Graubner (Sammlungsinstallation) und Erwin Heerich (Architektur) sowie dem Landschaftsplaner Bernhard Korte (Landschaft) ein einzigartiges Areal.
Stiftungsgründung
Über einen Zeitraum von 20 Jahren kaufte Karl-Heinrich Müller weitere 40 Grundstücke teils in direkter Nachbarschaft hinzu. Mit dem Erwerb der ehemaligen NATO-Raketenstation Hombroich erweiterte er schließlich das museale Ensemble um einen innovativen Ort der künstlerischen Produktion.
Nahezu seinen gesamten Kunstbesitz sowie alle seine Grundstücke in Hombroich mitsamt der Gebäude auf einer Fläche von rund 64 Hektar brachte Karl-Heinrich Müller im November 1996 in die Stiftung Insel Hombroich ein, die er gemeinsam mit der Stadt Neuss und dem Rhein-Kreis Neuss gründete. Ihr alleiniger Zweck ist bis heute der Erhalt und die Fortführung des Museums und der Raketenstation in der von ihm begründeten Art. Unerwartet und noch voller Zukunftspläne verstarb der Stifter im November 2007.
Seitdem entwickelt sich die Stiftung Insel Hombroich – noch stets eng dem Geiste K.-H. Müllers verbunden – kontinuierlich weiter. Neben der umfassenden Sanierung der Ausstellungspavillons bauen sich auch die Organisationsstrukturen weiter aus, was 2021 von einem umfassenden Leitbild- und Strategieprozess unterstützt wurde.
Leitbild
Hombroich
Hombroich ist das dynamische und vielfältige Zusammenspiel von Kunst, Natur, Bauwerken, Sammlungen, Archiven und Menschen. Der Ort verbindet Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Stiftungsmitarbeitende, Ehrenamtliche und assoziierte Institutionen. Er wurde vom Mäzen Karl-Heinrich Müller gegründet. Hombroich umfasst das materielle und geistige Erbe der Gründergeneration sowie daraus entstehender Entwicklungen und Zustiftungen. Es ist ein Ort schöpferischer Prozesse, der Experimente und ihres offenen Ausgangs. Hombroich versteht sich als Insel in einer Gegenwart aus Schnelllebigkeit, Nutzenorientierung und Konsum.
Stiftung
Die Stiftung Insel Hombroich dient der Gemeinschaft Hombroichs und der ganzen Gesellschaft. Sie wurde vom Gründer gemeinsam mit der Stadt und dem Kreis Neuss eingerichtet, um Ort und Anliegen Hombroichs zu bewahren und in die Zukunft zu führen. Die Stiftung sichert die Aushandlung der unterschiedlichen dort versammelten Interessen, um Hombroich in seiner Gesamtheit weiterzuentwickeln. Dafür richtet sie Gremien und Formate ein, in welchen über Inhalte und Strategie verhandelt wird. Die Expertise Externer wird dabei eingeholt und einbezogen. Die Stiftung sorgt dafür, dass neue Generationen von Künstlerinnen und Künstlern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Hombroich präsent sind und ihre Stimmen gehört werden. Die Stiftung ist Anwältin der für Hombroich essenziellen Natur, die sie pflegt und bewahrt. Sie richtet ihr Handeln ökologisch aus. Die Stiftung verwaltet die in ihrem Besitz befindlichen Sammlungen und Archive, arbeitet sie auf und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich.
Organisation
Hombroich steht für Selbstverantwortung und den wechselständigen Austausch zwischen den dort Tätigen. Eigenständige Projekte der in Hombroich Wirkenden sind für die individuelle Entwicklung und den Ort insgesamt notwendig. Die Stiftung entwickelt und unterstützt dafür geeignete Organisationsformen. Mit dem Ziel einer diversen Grundfinanzierung und größtmöglichen Autonomie gewinnt die Stiftung öffentliche und private Geldgeber:innen. Sie verantwortet und kommuniziert die materiellen Belange Hombroichs in ihrer Gesamtheit. Die Stiftung ist Arbeitgeberin von Mitarbeitenden und Partnerin von Künstler:innen, Ehrenamtlichen, Fördernden und assoziierten Institutionen. Sie etabliert Strukturen, welche die vielfältigen Handlungsfelder der Akteur:innen abbilden und sie in Entscheidungsprozesse einbinden.
Gemeinschaft
Hombroich sind vor allem die Menschen, die hier wirken und arbeiten. Sie verbinden sich in unterschiedlicher Intensität und Dauer mit dem Ort. Damit diese offene Gemeinschaft zugleich ein Kontinuum bildet, etabliert die Stiftung geeignete Rituale und Formate. Hombroich ist gelebte Gastlichkeit. Die Stiftung vertritt die Haltung, dass alle in Hombroich willkommen sind. Sie ermöglicht den vor Ort Tätigen, auf ihre je eigene Weise Multiplikatorinnen und Multiplikatoren Hombroichs sein zu können. Die Stiftung pflegt und gestaltet die Beziehung zur Region – sei es durch den Kontakt zu Bildungs- und Kulturinstitutionen oder die Auseinandersetzung mit der umliegenden Kulturlandschaft. Hombroich versteht sich als Teil internationaler künstlerischer und wissenschaftlicher Netzwerke. Die Stiftung fördert deren Pflege und Ausbau. Sie kennt und versteht die vor Ort bearbeiteten Themen und Kompetenzen und verknüpft diese über Hombroich hinaus.
Öffentlichkeit
Hombroich ist eine Einladung an die ganze Gesellschaft. Alle Menschen, unabhängig von Herkunft und Vorbildung, sollen dort im unvoreingenommenen Wahrnehmen und selbstbestimmten Tun bestärkt werden. Dazu entwickelt die Stiftung am Dialog orientierte Angebote. Sie bündelt die programmatischen Aktivitäten unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure Hombroichs und kommuniziert dort entwickelte Projekte gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit. Die Stiftung ermöglicht, dass Hombroich sich aus seinen Sammlungs- und Wissensbeständen heraus an den fachlichen Diskursen der Gegenwart beteiligt, auch mit eigenen programmatischen Impulsen.
Dieses Leitbild wurde gemeinsam von den Akteur:innen in Hombroich entwickelt (Stand August 2021).