Wachhaus #3: Hannah Linden

Heimat
Eröffnung am 2. Juli, 16 Uhr
Mo–So 10–18 Uhr
Im April 2023 startete die Stiftung Insel Hombroich eine Kooperation mit der Kunstakademie Düsseldorf. In deren Rahmen sind Studierende der Akademie alle zwei Monate eingeladen, eine Arbeit im Wachhaus der Raketenstation Hombroich zu realisieren. Die dritte Ausstellung macht am 2. Juli Hannah Linden. Sie studiert seit 2020 an der Akademie in der Klasse von Sabrina Fritsch.
Die Funktion des Wachhauses ist die Beobachtung. Deshalb steht das Sehen thematisch im Zentrum dieser Installation. Das Wachhaus kann als ein Medium betrachtet werden, eine Art Laterna Magica, mit der sich die visuelle Wahrnehmung schärfen lässt. Der Blick nach innen und nach außen soll gleichermaßen Teil dieser Arbeit sein.
Nähert man sich dem Wachhaus, schaltet sich über einen Bewegungsmelder die Beleuchtung an. So werden sich die Betrachtenden, die ins Innere schauen wollen, ihrer voyeuristischen Neugier bewusst. Der Innenraum bleibt dem Blick verwehrt. Zu sehen sind hinter den von innen beleuchteten fünf Fenstern Fotografien mit rheinischen Bildmotiven.
In der Beziehung des Sehens und des Gesehenwerdens ist ein Machtgefälle enthalten, das durch die Umkehr der Erwartung reflektiert werden soll.
Hannah Linden betrachtet das Wachhaus der Raketenstation als Installationsobjekt. In den von ihr gezeigten Fotografien – die allesamt in der rheinischen Region entstanden — befasst sie sich kritisch mit dem Begriff „Heimat“ und unserem Umgang mit der Vergangenheit. Wie kollidiert die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat mit der Realität der Konsumgesellschaft?
Dazu zeigt Hannah Linden Interieurs einer Gastwirtschaft, die im LVR-Freilichtmuseum Lindlar konserviert wurden. Sie fragt nach dem romantischen Sujet des Waldes, in dem Geborgenheit und Gefahr eine un-heimliche Allianz eingehen. Auch der betreffende Wald ist jedoch inszenierte Natur, da es sich um eine künstliche Anpflanzung handelt. Dem Mythos von Blut und Boden begegnet sie mit einem entlarvenden Frontalblick, der die Erde als das zeigt, was sie ist: Amorphe Materie, die weder jemandem gehört, noch mythologische Bedeutung besitzt. Dass Vergangenheit real vernichtet wird, um den zukünftigen Energiebedarf einer Konsumgesellschaft zu decken, lässt sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Raketenstation beobachten, der das abschließende Bild der Installation gewidmet ist.