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Wachhaus #3: Hannah Linden

02. Juli27. August 2023
Wachhaus, Raketenstation

Heimat
Eröffnung am 2. Juli, 16 Uhr
Mo–So 10–18 Uhr
Im April 2023 startete die Stiftung Insel Hombroich eine Koope­ra­tion mit der Kunst­aka­demie Düssel­dorf. In deren Rahmen sind Studie­rende der Akademie alle zwei Monate einge­laden, eine Arbeit im Wachhaus der Rake­ten­sta­tion Hombroich zu reali­sieren. Die dritte Ausstel­lung macht am 2. Juli Hannah Linden. Sie studiert seit 2020 an der Akademie in der Klasse von Sabrina Fritsch.

Die Funktion des Wach­hauses ist die Beob­ach­tung. Deshalb steht das Sehen thema­tisch im Zentrum dieser Instal­la­tion. Das Wachhaus kann als ein Medium betrachtet werden, eine Art Laterna Magica, mit der sich die visuelle Wahr­neh­mung schärfen lässt. Der Blick nach innen und nach außen soll glei­cher­maßen Teil dieser Arbeit sein.
Nähert man sich dem Wachhaus, schaltet sich über einen Bewe­gungs­melder die Beleuch­tung an. So werden sich die Betrach­tenden, die ins Innere schauen wollen, ihrer voyeu­ris­ti­schen Neugier bewusst. Der Innenraum bleibt dem Blick verwehrt. Zu sehen sind hinter den von innen beleuch­teten fünf Fenstern Foto­gra­fien mit rhei­ni­schen Bild­mo­tiven.
In der Beziehung des Sehens und des Gese­hen­wer­dens ist ein Macht­ge­fälle enthalten, das durch die Umkehr der Erwartung reflek­tiert werden soll.

Hannah Linden betrachtet das Wachhaus der Rake­ten­sta­tion als Instal­la­ti­ons­ob­jekt. In den von ihr gezeigten Foto­gra­fien – die allesamt in der rhei­ni­schen Region entstanden — befasst sie sich kritisch mit dem Begriff „Heimat“ und unserem Umgang mit der Vergan­gen­heit. Wie kolli­diert die Sehnsucht nach der verlo­renen Heimat mit der Realität der Konsum­ge­sell­schaft?
Dazu zeigt Hannah Linden Inte­ri­eurs einer Gast­wirt­schaft, die im LVR-Frei­licht­mu­seum Lindlar konser­viert wurden. Sie fragt nach dem roman­ti­schen Sujet des Waldes, in dem Gebor­gen­heit und Gefahr eine un-heimliche Allianz eingehen. Auch der betref­fende Wald ist jedoch insze­nierte Natur, da es sich um eine künst­liche Anpflan­zung handelt. Dem Mythos von Blut und Boden begegnet sie mit einem entlar­venden Fron­tal­blick, der die Erde als das zeigt, was sie ist: Amorphe Materie, die weder jemandem gehört, noch mytho­lo­gi­sche Bedeutung besitzt. Dass Vergan­gen­heit real vernichtet wird, um den zukünf­tigen Ener­gie­be­darf einer Konsum­ge­sell­schaft zu decken, lässt sich in unmit­tel­barer Nach­bar­schaft der Rake­ten­sta­tion beob­achten, der das abschlie­ßende Bild der Instal­la­tion gewidmet ist.