Wer, parallel zur Kunst, durch die Natur der Dinge streift, in Hombroich, dem fallen Gebäude, die ins Auge stechen, auf: oft großsprecherische und auch ruhmredige, irgendwie ovale, in Form einer Steueroase, oder so, dass sie sich, einander grün, gelb, rot, prahlerisch überragen, unverwandt erratische und schon auch garstigere Architektur: Das vielgestaltige Ensemble „Hombroich“ ist dann als Familie von Gebäuden und wohlbetreuten Interessen gesehen, verstanden, genutzt. Das gesamte Areal, das ganze Um und Auf als verwaltetere Verheißung einer Idee, die schwer zu erkennen und zu empfinden gebe, was sie sich verspricht, was sie sich versagt, worin immer seltener zum Vorschein kommt. Wie ein Echo, das durch Wiederholung der Beschränkung die Wirklichkeit auskostet, aber immer auf weniger Wirklichkeit trifft. Auf der einen Seite erscheint gleichzeitig, was einem wohl vorgeht, was dem allem nachkommt, was dazwischen zischt, was im Verschwinden ist. Aber auch dann wirkt, im Handumdrehen, was nicht gesagt ist, oft realer als das, was vor Augen bloß vorschwebt und oszilliert:
Das poetische tun aber habe hierin und dagegen noch andere, nachhallendere und weitere Möglichkeitsräume, Notwendigkeiten, Bedingungen: areale Areale. Wie die Idee einer Legende vom Ewigen, der durch die verschwiegenere Geschichte der Ideen wandert, aber ohne Ende oder Verbänderung: einmal fand er eine grüne Wiese vor, das zweite Mal eine blühende, strotzstolze Stadt, die er aber längst verlassen haben wird. Und wenn er einst ein drittes Mal einkehrt, werde wieder eine grüne Wiese grünen, und nur wenige Steine zeigten Spuren der Bauformen, Orte und Menschen. Aber die Erbauung hat ja nicht immer mit Gebäuden und selten mit der Einmütigkeit und dem Zinseszins von Zuschreibungen und Zubauten zu tun. Und ist oft, denen, die keinen Zugang haben, unzugänglich: ein Gelände ohne Guide und Geländer. Vermutlich sucht, wer nichts findet, das Unbedingte und entdeckt stattdessen allenthalben nur Dinge. „Was bleibet aber“, wir wissens, „Stiften die Dichter“. Und dieses andere Prinzip Hoffnung ins Offenere, allein mit poetischem Tun, Wort für Wort, als Denkmal gebaut zu wissen, das dauerhafter als Erz ist (und also bleibt), ginge wohl buntfärbiger darin auf, von Horaz bis Hölderlin, „wie Blumen“: Nur wenn es Rosen sind, werden sie blühen.
Der Lyriker Oswald Egger arbeitet seit über 20 Jahren in Hombroich, wo er die gemeinnützige Gesellschaft Das Böhmische Dorf leitet und Programme zur zeitgenössischen Literatur verantwortet.