Das Zwölf-Räume-Haus in neuem Licht

Zur Wiedereröffnung des zentralen Ausstellungspavillons Zwölf-Räume-Haus wird das Gebäude bis Ende September als begehbare Skulptur von Erwin Heerich in seiner puren Form und ohne die installierte Sammlung zu erfahren sein. In dieser Zeit begegnen die Besuchenden — überwiegend an den Wochenenden — auch zahlreichen künstlerischen Interventionen. Der Raum selbst, seine klare Ordnung und ein ganz besonderes Licht bilden den Rahmen für auf den Ort bezogene Beiträge aus Tanz, Performance und Musik. Im Mittelpunkt des Programms stehen das Flüchtige, aber auch das intensive Erleben des Augenblicks und die räumlichen Strukturen. Konzipiert wurde das Programm von Frauke Dannert, Prof. Dr. Sven Hirsch und Prof. Dr. Rainer Nonnenmann.
Während manches Überraschung bleibt, finden sich nachfolgend die langsam wachsende Liste der Projekte und Daten für einen ungewöhnlichen Sommer im Zwölf-Räume-Haus:
5. Juli, 14 Uhr
Gustavo Gomes, Performance
In Tintinnabulum thematisiert Gomes gemeinsam mit Davide Degano zeitgenössische Konstruktionen von Männlichkeit durch Bewegung und Klang. Das als Duett aufgeführte Werk entfaltet sich als lebendige Skulptur innerhalb der besonderen Umgebung des Zwölf-Räume-Hauses und lädt die Besuchenden in einen Raum der Kontemplation und des Zuhörens ein.
12. Juli, 13, 15 und 17 Uhr
Evamaria Schaller, Performance
Die begehbare Skulptur Zwölf-Räume-Haus wird Taktgeberin der Performance usus, die sich in drei eigenständigen und zugleich miteinander verwobenen Teilen entfaltet. Jede Performance trägt Elemente der vorhergehenden in sich und öffnet einen neuen Raum für Interaktion. Handlungen schreiben sich als sichtbare und unsichtbare Spuren in den Ort ein.
25. und 26. Juli
Thomas Klein, Klanginstallation und Performance
Es werden für zwei Tage zwölf Soundcubes in allen zwölf Räumen platziert, die ein miteinander korrespondierendes Klangbild erzeugen. An beiden Tagen finden zusätzlich zwischen 13 und 17 Uhr stündlich Performances statt.
8. August, 12:30, 14 und 15:30 Uhr
Vokalorchester, Vokalperformance
In ihrem eigens für diesen Anlass konzipierten Programm Klangräume / Raumklänge erforschen die acht Sänger:innen die Resonanzen und Energien des Zwölf-Räume-Hauses. Sie starten als ein großer Klangkörper und trennen sich im Verlauf immer weiter auf, um am Ende der Performance wieder zusammenzufinden.
22. August bis 7. September
Ludwig Berger, Klanginstallation
Bei Crying Glacier werden Feldaufnahmen vom schmelzenden Morteratsch-Gletscher in den Schweizer Alpen hörbar, die der Künstler über ein Jahrzehnt sammelte. Dafür wurden Unterwassermikrofone tief in die Gletscherspalten hinabgelassen, die wie ein Stethoskop das Innere des Eises hörbar machen. Hier finden Sie Videomaterial zu den Aufnahmen.
12. bis 27. September
Reinhard Doubrawa, Performative Installation
Für TRIGGER werden sechs säulenartige, auf Rollen gelagerte Elemente installiert, deren Dimensionen es gerade noch erlauben, sie durch die vorhandenen Türöffnungen der zwölf Räume zu bewegen. Performativ in Bewegung versetzt, ergeben sich Momentaufnahmen von Ordnung und Unordnung – entstehen Konstellationen wie klassisch zentrale Skulptur, Korridor oder Barriere.
12. September, 12 und 17 Uhr
VOTUM, Performance
Das Duo, bestehend aus Barbara Schachtner (Gesang) und Roger Hanschel (Saxophon, Komposition), wird im Rahmen ihrer Performance Auszüge ihrer Liederzyklen, mit Texten von Simone Weil, Antonin Artaud und Texten aus der Mystik des Christentum, Judentum und Islam, an unterschiedlichen Positionen der begehbaren Skulptur zum Klingen bringen.
13. September, 13 bis 17 Uhr
Peter Morrens und Reinhard Doubrawa, Performance
O/0 ist eine Langzeitperformance über Sprache, Macht und den Versuch, trotz Missverständnissen Ordnung zu schaffen. Mit Megafonen, Kommandos und typographischen Objekten ziehen die Künstler die Besuchenden in ein Spannungsfeld zwischen Ordnung und Auflösung.
20. September, 14 und 16 Uhr
Tessa Knapp, Performative Intervention
In Navigating Void untersucht Knapp Formen von Wahrnehmung und Orientierung. Dabei bewegt sie sich entlang von Schwellen zwischen Körper und Territorium, Mensch und Maschine, Natur und Kultur, Sichtbarem und Unsichtbarem. Besuchende werden dabei von Signalen durch die begehbare Skulptur geführt.
26. September, 12 bis 19 Uhr und 27. September, 11 bis 18 Uhr
Richard Siegal/Ballet of Difference (Staatstheater Nürnberg), Performance
NEW OCEAN entstand 2019 als Versuch, die Klimakrise physisch wahrnehmbar zu machen. Sieben Jahre später kehrt das Projekt in eine Welt zurück, in der die Krise nicht mehr schwer zu erkennen ist, und zu einem Gletscher, dessen Verschwinden sich weiter fortgesetzt hat. In der speziell für Hombroich entwickelten Ausgabe NEW OCEAN (I know very well… And yet) – Hombroich Ed. · Morteratsch Glacier machen Ludwig Bergers Aufnahmen des Gletschers dessen Knacken, Fließen und Schmelzen hörbar, während täglich modellierte Schmelzraten desselben Gletschers die Choreografie generieren. Das Projekt wird gefördert von der Kunststiftung NRW.
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