
Den Auftakt zur Serie „Archiv-Objekt des Monats“ macht nicht ein Einzeldokument aus den Teilarchiven der Stiftung, ein Exemplar aus den Bibliotheken der Vor- und Nachlässen wichtiger Akteure Hombroichs oder ein Exponat der Kunst- und Objektsammlung aus dem Nachlass Karl-Heinrich Müllers, sondern die Grundlage des neugestalteten und frisch bezogenen Magazinbereichs im Obergeschoss des Gebäudes: das Archivregal.
Das Hombroich : Archiv wurde in den vergangenen Jahren umfassend saniert. Diese Maßnahme war unter anderem notwendig, da es – wie aktuell viele Sammlungen, Archive und Bibliotheken – mit einem Schädlingsbefall durch Papierfischchen zu kämpfen hatte. Um den Bestandserhalt zu gewährleisten, wurde daher das gesamte Archivgut in Interimsstandorte ausgelagert und konservatorisch behandelt. Das Gebäude selbst, eine begehbare Skulptur Erwin Heerichs, wurde dahingehend saniert, dass es gängigen Standards gerecht wird.
Während die Räume innen durch viele Holzelemente geprägt waren – Dielenböden, Holzdecken und vom Künstler Katsuhito Nishikawa entworfene Regale, Tische und Stühle –, sieht es nun im Inneren anders aus: Glattverputzte Wände und Decken sowie ein Fußboden aus hellem Stahlbeton bereiten im Obergeschoss die Bühne für Archivregale aus lichtgrauem, pulverbeschichtetem Edelstahl, die dank einer großzügigen Förderung durch den LVR für das Archiv : Magazin angeschafft werden konnten. Um einen ästhetischen Brückenschlag zum vorherigen Einrichtungsstil zu schaffen, wurden Tischplatten aus Holz verbaut, die nun aber auf Beinen aus Stahl stehen – ein Kompromiss aus Funktionalität und Ästhetik. Die Anordnung der Archivregale ist ebenfalls wie zuvor umgesetzt worden: Sie stehen in einer strahlenförmigen Anordnung um den quadratischen Innenhof.
Da die jetzt als Archivgebäude genutzte Skulptur ursprünglich als Seminargebäude für das Internationale Institut für Biophysik entworfen wurde, gibt es Herausforderungen in der Umsetzung einer optimalen archivischen Nutzung, die insbesondere die Verteilung und Möblierung der Räume betreffen. Eher ungewöhnlich findet sich daher das Magazin im Obergeschoss. Die Büroräume, eine kleine Ausstellungsfläche im Foyer, der noch im Aufbau befindliche Depotraum für die Kunst- und Objektsammlung und der neu eingerichtete Quarantäneraum sind im Erdgeschoss. Die ehemaligen Archivregale aus Holz standen zuvor im Gebäude auf der Raketenstation, das heute als Gastatelier genutzt wird. Erst 2008 sind sie (und mit ihnen die Bestände des Hombroich : Archivs) ins heutige Archivgebäude um- und eingezogen. Die Geschichte des Archivregals in Hombroich ist daher eine Geschichte der Flexibilität, die nun mit der Neueinrichtung erstmal keine Kompromisse mehr abverlangt. Die neuen Regale sind langlebig, sachlich-funktional und vor allem: bestandserhaltend.
Wer nun Interesse daran hat, die neuen Regale und auch den bisherigen Stand des Wiederbezugs zu besichtigen, ist herzlich zum Tag der Archive am 7. März 2026 eingeladen.
Die Reihe „Archiv-Objekt des Monats“ stellt im monatlichen Turnus Archivalien, Bücher, Kunstwerke und Objekte aus den umfangreichen Archiv- und Sammlungsbeständen der Stiftung Insel Hombroich vor.