Archiv-Objekt des Monats März

Dr. Carina Dauven, 23. Februar 2026
© Erwin Heerich, VG Bild-Kunst Bonn 2026/ Foto: Jennifer Eckert

Den Auftakt zur Serie „Archiv-Objekt des Monats“ macht nicht ein Einzel­do­ku­ment aus den Teil­ar­chiven der Stiftung, ein Exemplar aus den Biblio­theken der Vor- und Nach­lässen wichtiger Akteure Hombroichs oder ein Exponat der Kunst- und Objekt­samm­lung aus dem Nachlass Karl-Heinrich Müllers, sondern die Grundlage des neuge­stal­teten und frisch bezogenen Maga­zin­be­reichs im Ober­ge­schoss des Gebäudes: das Archiv­regal.

Das Hombroich : Archiv wurde in den vergan­genen Jahren umfassend saniert. Diese Maßnahme war unter anderem notwendig, da es – wie aktuell viele Samm­lungen, Archive und Biblio­theken – mit einem Schäd­lings­be­fall durch Papier­fisch­chen zu kämpfen hatte. Um den Bestands­er­halt zu gewähr­leisten, wurde daher das gesamte Archivgut in Inte­rims­stand­orte ausge­la­gert und konser­va­to­risch behandelt. Das Gebäude selbst, eine begehbare Skulptur Erwin Heerichs, wurde dahin­ge­hend saniert, dass es gängigen Standards gerecht wird.

Während die Räume innen durch viele Holz­ele­mente geprägt waren – Dielen­böden, Holz­de­cken und vom Künstler Katsuhito Nishikawa entwor­fene Regale, Tische und Stühle –, sieht es nun im Inneren anders aus: Glatt­ver­putzte Wände und Decken sowie ein Fußboden aus hellem Stahl­beton bereiten im Ober­ge­schoss die Bühne für Archiv­re­gale aus licht­grauem, pulver­be­schich­tetem Edelstahl, die dank einer groß­zü­gigen Förderung durch den LVR für das Archiv : Magazin ange­schafft werden konnten. Um einen ästhe­ti­schen Brücken­schlag zum vorhe­rigen Einrich­tungs­stil zu schaffen, wurden Tisch­platten aus Holz verbaut, die nun aber auf Beinen aus Stahl stehen – ein Kompro­miss aus Funk­tio­na­lität und Ästhetik. Die Anordnung der Archiv­re­gale ist ebenfalls wie zuvor umgesetzt worden: Sie stehen in einer strah­len­för­migen Anordnung um den quadra­ti­schen Innenhof.

Da die jetzt als Archiv­ge­bäude genutzte Skulptur ursprüng­lich als Semi­nar­ge­bäude für das Inter­na­tio­nale Institut für Biophysik entworfen wurde, gibt es Heraus­for­de­rungen in der Umsetzung einer optimalen archi­vi­schen Nutzung, die insbe­son­dere die Vertei­lung und Möblie­rung der Räume betreffen. Eher unge­wöhn­lich findet sich daher das Magazin im Ober­ge­schoss. Die Büroräume, eine kleine Ausstel­lungs­fläche im Foyer, der noch im Aufbau befind­liche Depotraum für die Kunst- und Objekt­samm­lung und der neu einge­rich­tete Quaran­tä­ne­raum sind im Erdge­schoss. Die ehema­ligen Archiv­re­gale aus Holz standen zuvor im Gebäude auf der Rake­ten­sta­tion, das heute als Gast­ate­lier genutzt wird. Erst 2008 sind sie (und mit ihnen die Bestände des Hombroich : Archivs) ins heutige Archiv­ge­bäude um- und einge­zogen. Die Geschichte des Archiv­re­gals in Hombroich ist daher eine Geschichte der Flexi­bi­lität, die nun mit der Neuein­rich­tung erstmal keine Kompro­misse mehr abver­langt. Die neuen Regale sind langlebig, sachlich-funk­tional und vor allem: bestands­er­hal­tend.

Wer nun Interesse daran hat, die neuen Regale und auch den bishe­rigen Stand des Wieder­be­zugs zu besich­tigen, ist herzlich zum Tag der Archive am 7. März 2026 einge­laden.

Die Reihe „Archiv-Objekt des Monats“ stellt im monat­li­chen Turnus Archi­va­lien, Bücher, Kunst­werke und Objekte aus den umfang­rei­chen Archiv- und Samm­lungs­be­ständen der Stiftung Insel Hombroich vor.