Die Sammlung Museum Insel Hombroich – Der Beginn
von Kitty Kemr


Der Sammler Karl-Heinrich Müller, Initiator, Gründer und Erwerber der Museumsinsel Hombroich, sprach gerne von der Inselfamilie, die sich bei der Entstehung und dem Aufbau seiner Schöpfung zusammengefunden hatte. Deshalb soll meine Chronik mit dem Bericht beginnen, wie ich Mitglied dieser Familie wurde. Als ich von 1974 bis 1981 an der Universität Bonn Kunstgeschichte studierte, war ich zeitweise bei Johannes Wasmuth im Bahnhof Rolandseck beschäftigt. Ich bereitete Ausstellungen und musikalische Veranstaltungen vor und hatte die Möglichkeit, die Sammlung der Werke von Hans Arp mitzubetreuen. Dort traf ich 1976 erstmals Karl-Heinrich Müller. Bei einem späteren Besuch in Düsseldorf sah ich seine private Kunstsammlung. Ich war von ihr fasziniert und stimmte spontan zu, als er mich 1981/82 um eine kunstwissenschaftliche Bearbeitung seiner Bestände bat. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt bereits einen solchen Umfang angenommen, dass selbst unter den Betten Kunstwerke gestapelt wurden, und auch das Büro war davon nicht ausgenommen.
Was war zu tun? Konnten diese Werke einer öffentlichen Sammlung anvertraut werden? Karl-Heinrich Müller hatte nie systematisch, nach kunstgeschichtlichen Kriterien, sondern nach sehr persönlichen Vorlieben gesammelt. Deshalb tauschte er auch, um Schwerpunkte zu bilden. So gab er zum Beispiel Werke von Beuys, Polke, Fontana, Goller oder Tápies ab, um stattdessen Assemblagen von Schwitters oder Reliefs von Arp zu erwerben. Stets kaufte er aus Begeisterung. Dabei folgte er seinem Gespür, um in den Werken verschiedener Epochen das ihn interessierende Geheimnisvolle und Magische zu finden. Zu Beginn meiner Tätigkeit waren vier Schwerpunkte in der Sammlung vorhanden, die weitgehend auf Anregung des Galeristen Sami Tarica zurückgingen: Kurt Schwitters, Hans Arp, Jean Fautrier, Yves Klein. Noch heute bilden Werke dieser Künstler den Kernbestand der Sammlung, der erweitert wurde. So konnte die Sammlung der dreizehn Assemblagen und Collagen von Schwitters in den achtziger Jahren ergänzt werden; sie zählt mit heute einundzwanzig Werken, hauptsächlich aus der Spätzeit, zu einer der umfangreichsten Schwitterssammlungen. Arp ist mit vier Collagen, sechs Reliefs und zwei Skulpturen vertreten. Von Yves Klein sind in einem eigenen, ihm gewidmeten Ambiente, im sogenannten Zwölf-Räume-Haus, fünf monochrome Objekte zu sehen. Für die frühe Sammeltätigkeit war das Werk Jean Fautriers von besonderer Bedeutung. Ausgehend von den Schwarzen Bildern wurden insgesamt fünfundzwanzig Gemälde aus allen Perioden seines Werkes erworben. Fautriers Skulpturen interessierten Karl-Heinrich Müller so nachhaltig, dass neun Köpfe und Figuren (Gips, Bronze, Stein) in die Sammlung aufgenommen wurden.

Als zweiter Kernbereich der Sammlung war in den siebziger Jahren ein archäologischer Fundus zusammengetragen worden. Er umfasst Schmuck, Gefäße und Grabbeigaben (ca.280 Stücke) aus Ban-Chiang, etwa achtzig Roll- und Knopfsiegel, sowie Amulette aus dem frühgeschichtlichen Mesopotamien; Keulenköpfe, keramische und gegossene Gefäße aus Amlasch, dazu aus Luristan Bronzen, die zu Kampfausrüstungen gehörten. Diese Bestände werden mit ausgewählten Werken moderner Kunst konfrontiert. Eine dritte, kleinere Abteilung der Sammlung bildete sich seit dieser Zeit mit Werken von Anatol Herzfeld (mit dem Karl-Heinrich Müller seit langem befreundet war), Skulpturen von Erwin Heerich sowie Bildern von Gotthard Graubner.

Die Gründung (1982-1984)
Der schweifend-suchenden, zugleich aber zielstrebigen Art Karl-Heinrich Müllers entsprach es, seiner Sammelleidenschaft zu folgen. Er stellte sich für die Präsentation seiner Bestände immer mehrere Orte vor, an denen jeweils in einem Gebäude ein einzelner Künstler oder ein zusammengehöriges Ensemble seinen Platz finden könnten. Das Projekt der Pavillons war damit geboren. Wo hätte es sich besser realisieren lassen als auf der Insel Hombroich! Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen, ein geeignetes Gelände für seine Sammlung im Großraum Düsseldorf zu finden, entdeckte Karl-Heinrich Müller die Insel Hombroich und ihr Gelände. Dieses Areal erwarb er am 6. September 1982. Im verwilderten Park an der Erft, einem Landschaftsschutzgebiet, standen damals zwei Gebäude, eine Villa aus dem Jahr 1816, das Rosa Haus, und ein 1906 erbautes Nebengebäude. Karl-Heinrich Müller restaurierte sie. Im Rosa Haus entstanden neben Gästezimmern Ausstellungsräume. Hier wurden zunächst Gemälde alter Meister, Radierungen von Rembrandt und Aquarelle von Cézanne gezeigt. Das Nebengebäude wurde zu einer Wohnung für Karl-Heinrich Müller mit zwei Ateliers für Heerich und Graubner umgebaut. Nach den Vorstellungen Anatols wurde eine Scheune in ein Atelier mit Ausstellungsraum für ihn umgewandelt. Die unmittelbare Umgebung nutzte Anatol dazu, seine persönliche Welt zu gestalten. Gleichzeitig mit der Restaurierung der Häuser wurde mit der Erneuerung des Englischen Gartens aus dem 19. Jahrhundert mit seinem seltenen Baumbestand begonnen. In diesem Zusammenhang muss gesagt werden, dass Karl-Heinrich Müller neben seinen hohen beruflichen Anforderungen außerordentliche Energien auf das Projekt der Insel Hombroich verwandte. Durch seine Euphorie steckte er die Künstlerfreunde an. Dabei wurde auch ich einbezogen. Wir alle bildeten das Team der Insel-Familie, das seine Gedanken und Ideen zur Verwirklichung der Insel Hombroich in seiner jetzigen Form einbrachte. Ende 1982 wurde der erste Bauantrag für die Errichtung der Pavillons nach Entwürfen von Erwin Heerich gestellt. Sie sollten einen wesentlichen Teil der Sammlungen aufnehmen. Heerichs Auffassung von Plastik war auch für eine Wendung zur Architektur offen. Deshalb konnte er in baulicher Dimension begehbare Skulpturen schaffen. Ihre Innenräume folgten zwei Maßgaben; der Entstehung eines plastischen Körpers und der Öffnung des Raumes zur Aufnahme von Kunstwerken. Karl-Heinrich Müllers Sammelbegeisterung erhielt durch die vielfältigen Möglichkeiten, welche die Insel bot, neuen Auftrieb. Zu den bereits früher erworbenen Werken von Brancusi und Bart van der Leck kam 1982 auf Anregung von Heerich ein größeres Konvolut mit circa neunzig Gouachen und Architekturzeichnungen van der Lecks zum vorhandenen Bestand hinzu. Gleich vier Bilder von Picabia brachten einen neuen Aspekt der französischen Avantgarde hinzu, der später durch sechs Décollagen von Raymond Hains erweitert wurde.

Ab 1984 entstand auf Anregung Graubners innerhalb kürzester Zeit eine Khmer-Sammlung. Diese Ankäufe entsprachen Müllers Vorliebe für ostasiatische Kunst, die später im Aufbau einer großen China-Sammlung ihren Ausdruck fand. Durch ständige Neuerwerbungen wurde die ostasiatische Kunst zu einem zentralen Bereich des Inselmuseums. 1983: Die erste Bauphase im Park wurde begonnen, die schon 1984 beendet werden konnte. In Zusammenarbeit mit dem Architekten H. Hermann Müller wurden von Heerich drei Pavillons errichtet. Zuerst die Orangerie, die anfänglich die Arp-Werke aufnahm, dann die zylindrische Architektur des Graubner-Pavillons und die Hohe Galerie, in der asiatische Exponate zusammen mit Bildern Fautriers ausgestellt waren. Damals wurde nach einem Ausspruch Cézannes das Motto der Insel gefunden: „Kunst parallel zur Natur“. Viele gemeinsame Reisen von Karl-Heinrich Müller, Gotthard Graubner und mir gaben Impulse für neue Sammlungsgebiete: Die China-Bestände wurden durch Werke aus der Han- (206 vor Chr.–220 nach Chr.) und der Tang-Dynastie (618–906 nach Chr.) vermehrt. Zu einem besonderen Erlebnis wurde die Sammlung chinesischer Gläser (ca. 40 Vasen, Schalen und andere Gefäße) aus dem 18. Jahrhundert; von Bedeutung sind auch die sechzehn chinesischen Tuschesteine. Daneben treten Afrika und Ozeanien in den Blickpunkt. Aus Afrika konnten Liegen, Waffen, eine Leibmaske aus Dahomey und eine Schultermaske aus Nigeria erworben werden. Von besonderer Kraft ist die Lehmskulptur aus dem Kongo, ein Fetisch Bateke. Ozeanien wird durch wichtige Stücke aus Australien, Polynesien, den Philippinen und aus Neu-Guinea repräsentiert. Ebenfalls 1983 lenkte Graubner die Aufmerksamkeit auf Corinth. Es gelang, zwölf Gemälde der Spätzeit, vor allem Portraits, zu erwerben, die zwei Jahre später durch acht Ölbilder ergänzt wurden. In dieser Zeit wurde auch das Interesse Karl-Heinrich Müllers für Arbeiten auf Papier geweckt. So kamen Zeichnungen und Radierungen Corinths zum Bestand hinzu. Das graphische Sammelgebiet kulminiert in neun Aquarellen Cézannes. Es sind Blätter von großer Reduktion und Ausstrahlung.

Die Erweiterung (1984-1988)
Im Frühjahr 1984 begann die zweite Bauphase auf neuerworbenen Grundstücken einer Auenlandschaft. Der Landschaftsarchitekt Bernhard Korte legte die ursprünglich einmal vorhandenen Wasserflächen wieder an, bepflanzte sie mit einer für den Niederrhein typischen Auenvegetation und ließ so die untergegangene Landschaft in ihrer Ganzheit nach seinen Vorstellungen neu erstehen. Es wurde nach und nach das Landschaftsbild der Insel geschaffen, wie man es heute kennt. Weitere Neubauten von Heerich wurden eingefügt. Besonders das Labyrinth, das große Sammlungsgebäude, bestimmt seither den Raum der Auenlandschaft. Es wurde 1985 und 1986 erbaut. Die Eröffnung fand am 8. Mai 1987 statt. Gleichzeitig nahm die Cafeteria ihren Gastbetrieb auf. Damit begann das öffentliche Wirken der Museumsinsel Hombroich. Die Innenräume des Labyrinths bilden das Herzstück für die Ausstellungen auf der Insel. Gotthard Graubner hat eine künstlerische Ausstellungsdisposition entwickelt, die auf einer wechselseitigen Begegnung der einzelnen Kunstwerke beruht. Weder Schilder noch andere Erläuterungen lenken von der reinen Bildsprache ab. Diese Konzeption besteht bisheute und bestimmt die Unverwechselbarkeit der Museumsinsel; sie soll nach dem Willen des Stifters auch in Zukunft erhalten bleiben. So steht beispielsweise das malerische Werk Fautriers seinen plastischen Schöpfungen gegenüber. Das Spätwerk von Schwitters tritt in Auseinandersetzung mit Kunstwerken aus Afrika und Ozeanien. Die Duo-Collagen von Hans Arp und Sophie Taeuber führen ein Zwiegespräch mit den Plastiken und Reliefs von Hans Arp. Die Malerei Gotthard Graubners öffnet einen geistigen Raum, in dem die Khmer-Skulpturen den Gegenpol bilden. Seit 1982 werden auf der Insel Konzerte veranstaltet. Die Beziehung zwischen bildender Kunst und Musik wurde in den folgenden Jahren intensiviert. Die Freundschaft zu Johannes Wasmuth und die Beziehung zum Bahnhof Rolandseck führte dazu, dass ich meine dort gewonnenen Musikerfreunde für die Konzerte auf der Insel gewinnen konnte: u.a. Martha Argerich, Svjatoslav Richter, Pinchas Zukerman, Chaim Taub haben hier gespielt. Einmalige Gastspiele gaben das Beaux-Arts-Trio und das Guarneri Quartett. Häufig zu Gast war das Tel Aviv-Quartett. Vom 31. Mai bis 8. Juni 1986 fand das erste Inselfestival statt. Im Zelt wurde musiziert, im Park gab es Aktionen mit Nam June Paik, Fritz Schwegler und Gerhard Rühm. Im Labyrinth, das noch eine Baustelle war, lasen H.C. Artmann und Oskar Pastior. Lew Kopelew trug aus seinen Texten vor. In den Konzerten mit klassischer und moderner Musik gab es mehrere Uraufführungen, u.a. mit Werken von Gerhard Lampersberg, Wolfgang Rihm, Georg Kröll, später von Heimo Erbse, Rolf Riehm, Hans Zender, Christoph Staude, György Kurtág. Bei späteren Veranstaltungen kamen neue Freunde hinzu, unter ihnen Heiner Müller, Albrecht Fabri, Inger Christensen, Anne Duden, das Arditti Quartett, Keller Quartett, Zoltán Kocsis, András Schiff und Pierre-Laurent Aimard. Die persönlichen Kontakte von Georg Kröll zu zahlreichen zeitgenössischen Komponisten führten ab 1988 zu einer wesentlichen Bereicherung der Programme und zur Auseinandersetzung mit moderner Musik.

Die Ausdehnung (1988-1993)
Während der zweiten Bauphase kaufte Karl-Heinrich Müller weiteren Grund und Boden dazu, so dass sich das Inselland mehr als verdoppelte. Hier setzte 1988 eine umfangreiche Bautätigkeit ein. Heerich errichtete den Pavillon Turm, dessen Inneres sich räumlich wohl am deutlichsten als begehbare Skulptur darstellt. Die Scheune neben dem alten Eingang wurde als Raum für Konzerte und Lesungen umgestaltet. Seit 1990 wird das höhergelegene Gelände von Pavillons geprägt. Heerich plante und baute zwischen 1991 und 1993 den Tadeusz Pavillon, die Schnecke und das Zwölf-Räume-Haus. Das neue Kassengebäude ist seit 1992 geöffnet.
Für den ihm zugedachten Pavillon entwarf Norbert Tadeusz 1990 einen Zyklus aus vier Bildern. In der Schnecke, die die graphische Sammlung enthält, brachte Graubner vier Wachsskulpturen Medardo Rossos mit Zeichnungen von Corinth, Klimt, Matisse, Brancusi, Giacometti zusammen. Weiter hängen hier Aquarelle von Cézanne, Gouachen van der Lecks, frühe Radierungen und Aquarelle von Graubner, Radierungen von Rembrandt, Corinth und Chillida. Durch die dritte Bauphase wurde Müllers Sammeltätigkeit noch einmal aktiviert. Neben großen Khmer-Skulpturen (9.–13. Jahrhundert) wurde die Chinesische Sammlung besonders durch außergewöhnliche Werke aus der Han- und der Tang-Dynastie bereichert. Es sind zumeist Grabbeigaben (etwa 100 Stücke), die einen höfischen Haushalt darstellen: Gestalten aus dem Hofleben, Reiter und Pferde, Dienerinnen, Hausmodelle und Grabgefäße. Bemerkenswert ist eine Kollektion von achtzehn Gefäßen aus der Yuan-Shao Kultur des 3. und 2. vorchristlichen Jahrtausends. Auch die Bestände aus dem frühgeschichtlichen Luristan und Amlasch wurden ergänzt: Dreizehn Gefäße aus Ton zeigen die geometrische Hell-Dunkel-Ornamentik Luristans in Verbindung mit Sonnen- und Tierzeichen. Aus Amlasch, dem heutigen Iran, gibt es Bronzeamulette mit Einzel- oder Doppelfiguren von Elchen und Hirschen. Zum ersten Mal kamen 1991/92 präkolumbianische Steinskulpturen der Mezcala Kultur (Mexiko) in die Sammlung und Federkleider der Nazca aus Peru (4.–8. Jahrhundert). Alle diese neuen Bestände haben ihren Platz im Zwölf-Räume-Haus und zeigen dort die eminente Spannweite von frühen Kulturen bis zur europäischen Moderne. In einem Raum stehen Stabile-Mobile von Alexander Calder. Ein weiterer Raum ist der Kunst Eduardo Chillidas gewidmet. Daneben finden sich Werke von Alfred Jensen. Afrikanische Holzskulpturen werden zusammen mit einem Kostüm von Henri Matisse für das Ballett von Serge Diaghilev “Le chant du Rossignol” (1920) gezeigt. In den frühen neunziger Jahren wurde damit begonnen, Großskulpturen in der Insellandschaft aufzustellen: von Erwin Heerich fünf Basaltskulpturen und von Anatol “Neun Wächter”. 1993 wurde der “Verein zur Förderung des Kunst- und Kulturraumes Hombroich e.V.” gegründet, der seitdem Träger der musikalischen und literarischen Veranstaltungen auf der Museumsinsel ist. Ein besonderes Musikereignis war ein Benefizkonzert mit Anne-Sophie Mutter am 16. März 2001, das durch die Freundschaft mit der Künstlerin im Atelier von Gotthard Graubner ermöglicht wurde. Der Erlös kam dem “Verein zur Förderung des Kunst- und Kulturraumes Hombroich e.V.” zugute und war für Konzerte und Lesungen auf der Insel bestimmt.

Die Abzweigung (1994-2003)

Als letzten Gelände- und Gebäudekomplex kaufte Müller 1994 die aufgegebene Raketenstation auf einer Anhöhe nordwestlich von Hombroich. Die Raketenhallen und Kasernenräume wurden sofort umgebaut und werden heute von Künstlern unterschiedlicher Metiers sowie von Wissenschaftlern genutzt. Ende 1995 rief Thomas Kling die Reihe “Hombroich: Literatur” ins Leben; Ende 1997 gründete Christoph Staude die Reihe “Hombroich: Neue Musik”. Auf dem Areal der Raketenstation sind Gebäude und Freiraumskulpturen von Raimund Abraham, Tadao Ando, Alvaro Siza, Eduardo Chillida, Erwin Heerich, Oliver Kruse, Katsuhito Nishikawa, Heinz Baumüller und Dietmar Hofmann entstanden. Ihre Projektentwürfe waren auf der 6. Architektur-Biennale 1996 in Venedig zu sehen. Mit der Teilnahme an der Biennale stellten sich die Museumsinsel Hombroich und die Raketenstation erstmals international vor. Die Bautätigkeit auf der Insel setzte sich seit 1994 in der Errichtung eines Atelierhauses für Gotthard Graubner nach Planung von Erwin Heerich fort: es soll einmal als GraubnerMuseum Bestandteil der Museumsinsel Hombroich werden.

Ende 1996 brachte Karl-Heinrich Müller das gesamte Gelände, die Bauwerke und die Sammlung der Insel Hombroich in eine Stiftung ein, die durch Mitstiftung des Kreises Neuss und der Stadt Neuss sowie durch erhebliche Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen entstanden ist. 1998-2000 wurde als erster Bau auf der Raketenstation der Fontana-Pavillon von Erwin Heerich entworfen und erbaut. Dort befindet sich das großformatige Terrakotta-Relief “Sole” (1957) von Lucio Fontana. 1999-2000 folgte nach Heerichs Entwurf die Realisierung eines Gebäudes für das 1996 von Prof. Fritz-Albert Popp gegründete Internationale Institut für Biophysik IIB, das heute als Bibliothek und Archiv genutzt wird. Gleichzeitig entstanden ein Wohn- und Gästehaus, sowie das so genannte “Kloster”, das Künstlern in 14 Einzimmerappartements Übernachtungsmöglichkeiten bietet. Damit war die Bautätigkeit des Architekten und Bildhauers Erwin Heerich auf der alten Insel und der Raketenstation abgeschlossen. Auf dem Gelände der Stiftung Insel Hombroich befinden sich von Heerich folgende Außenskulpturen: acht Marmorskulpturen, fünf Basaltskulpturen und drei Betonskulpturen. 2000 gründete Dr. Volker Kahmen die gemeinnützige Stiftung “Literatur- und Kunstinstitut Hombroich” mit Sitz im Rosa Haus. Im selben Jahr wurde die erste Backstein-Skulptur von Per Kirkeby errichtet. Es ist die Bushaltestelle “Neuss-Minkel”. 2002–2003 wurden auf dem “Kirkeby Feld” drei “Kapellen” nach Entwürfen des Künstlers realisiert. 2001 konnte die monumentale Beton-Skulptur “Begirari V” von Eduardo Chillida aufgestellt werden. Karl-Heinrich Müller hatte in den 90er Jahren den Japanischen Architekten Tadao Ando eingeladen, für die Raketenstation ein Museum zu entwerfen. Die Kunstsammlerin Marianne Langen entschied sich dann 2002, den Bau zu realisieren, der im September 2004 eröffnet werden konnte. 

Die Kunsthistorikerin Kitty Kemr war über 30 Jahre die Lebensgefährtin des Malers Gotthard Graubner.