Thomas Kling Archiv – Institut für Dichtung

Zehn Jahre (1995–2005) lebte der Dichter Thomas Kling, der im Jahr 2005 47-jährig starb, auf der Raketenstation Hombroich. Wie kaum ein anderer Dichter hat er die deutsche Lyrik auf ihrem Weg ins 21. Jahrhundert geprägt. Ebenso hat Thomas Kling Hombroich geprägt. Durch seine poetische Forschungs-Arbeit ist der Kulturraum Hombroich auch zu einem literarischen Ort geworden, der regional und überregional wahrgenommen wird. Viele Dichter und Schriftsteller haben die Entwicklung Hombroichs seit den Anfängen begleitet. Enge Beziehungen sind entstanden.

Das Thomas Kling Archiv, zu dem seine aufschlussreiche Arbeitsbibliothek, Handschriften, Typoskripte und Unveröffentlichtes ebenso zählen wie audiovisuelle Medien, ist dank einer Schenkung seiner Frau, der Künstlerin Ute Langanky, vollständig und dauerhaft auf der Raketenstation Hombroich beheimatet.

In Kooperation mit dem Heinrich-Heine-Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf ( Kontakt: enno.stahl@duesseldorf.de) wurde der Nachlass Thomas Klings archivalisch erschlossen und in eine Datenbank eingebracht. Seine Arbeitsbibliothek wird derzeit erfaßt. So ist der Nachlass der Forschung und wissenschaftlichen Nutzung zugänglich.

In Ergänzung zur umfangreichen Handschriftensammlung der Stiftung Insel Hombroich sowie in enger Nachbarschaft zum Literatur- und Kunstinstitut Hombroich liegt inzwischen im Thomas Kling Archiv seine gesamte Korrespondenz mit Autoren wie H. C. Artmann, Oskar Pastior, Inger Christensen und Friederike Mayröcker in archivalisch gesicherter Form vor.

Das akustische Archiv, also alle für das Klingsche Werk wesentlichen Aufnahmen auf Tonträgern von insgesamt ca. 50 Stunden, hat der Herausgeber, Literaturkritiker und Hörfunkautor Norbert Wehr recherchiert und zusammengetragen.

Literaturwissenschaftler der neueren und älteren Philologie, Dichter und Schriftsteller setzen sich mit den Schreib-, Sprech- und Autorschaftskonzepten Klings auseinander. Auf diese Weise kann den literarischen und historischen, den diskursiven und topografischen Kontexten eines Werkes nachgegangen werden, das lange fast gänzlich außerhalb der Wissenschaft diskutiert wurde – obwohl es gerade auch in spannungsvoller Auseinandersetzung mit deren Diskursen entstand.

Das Institut für Dichtung ist in den ehemaligen Arbeitsräumen Thomas Klings im Turmbunker angesiedelt. Im Rahmen des Archivkomplexes der Stiftung Insel Hombroich bildet das Thomas Kling Archiv eine in sich geschlossene Einheit, die vor Ort  weiterhin von Ute Langanky betreut wird. Von der aktiven Arbeit an und mit dem Werk von Thomas Kling im Institut für Dichtung zeugen die seit 2005 erschienenen Publikationen (Auswahl):

Hubert Winkels, Der Stimmen Ordnung. Über Thomas Kling, DuMont, Köln, 2005
Thomas Kling, Gesammelte Gedichte, hrsg. von Marcel Beyer und Christian Döring, DuMont, Köln, 2006
den sprachn das sentimentale abknöpfn, Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf, 2007
Thomas Kling, schädelmagie, hrsg. von Norbert Hummelt, Reclam, Stuttgart, 2008
Das brennende Archiv, hrsg. von Norbert Wehr, Schreibheft, Zeitschrift für Literatur, Nr. 76, 2011; Taschenbuch: Suhrkamp, Berlin, 2012
Das Gellen der Tinte, hrsg. von Frieder von Ammon, Peer Trilcke u. Alena Schafschwert, V&R unipress, Göttingen, 2012

Kontakt:
Dr. Ricarda Dick
Stiftung Insel Hombroich
Sammlungen und Archive
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